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Prolog

Ich meine, ich wäre neun Jahre alt gewesen, als ich das erste Mal alleine mit dem Zug zu meinen Großeltern fahren durfte. Ich wollte diese reise unbedingt alleine und ohne Hilfe antreten, Umstiege und eventuelle Schwierigkeiten inklusive. Weder meine Eltern noch meine Großeltern konnten mich letztendlich davon abhalten und versuchten - soweit es ihnen möglich war - mich mit dem Handy oder über die Deutsche Bahn auf der sechsstündigen Fahrt zu begleiten. Und es kam, wie es kommen musste: ich stieg eine Haltestelle zu früh aus, stand am Frankfurter Bahnhof ganz alleine und wusste nicht wohin. Nach langem hin- und her durfte ich mit einem anderen Zug weiter und wurde nach einer Verspätung von einer Stunde voller Freude von meinen Großeltern in die Arme geschlossen. Nicht nur sie, meine Eltern hatten sich auch Sorgen gemacht und ich kann mich heute an keine Minute der Panik erinnern. Während ich meinen Erinnerungen nachgehe, muss ich lächeln und denke mir, dass diese erste Fahrt der Anfang einer langen Reise war, die ich an jenem Tag begonnen hatte. Ich fuhr so oft es ging zu meinen Großeltern und bis auf ein paar Mal war es immer die Deutsche Bahn, die uns zusammenführte. Mein Freund Jakob steht in der Türe und schaut mich an. Seine Augen verraten mir, dass er Mitleid hat und nicht ganz weiß, wie er mit der Situation umgehen soll. Ich lächle ihn an und rutsche ein wenig zur linken Seite unseres Sofas, damit er sich hinsetzen kann. Er lächelt zurück und kommt neben mich, legt mir den Arm um die Schultern und fängt an meinen Kopf zu streicheln. Ich schließe die Augen und merke, wie mir eine Träne die rechte Backe runterläuft und weitere folgen. Ich merke, wie Jakob instinktiv seinen Kopf auf meinen legt und mich näher zu sich ranzieht. Ich merke, wie ich Anfänge zu schluchzen und Träne für Träne tiefer in den Armen von meinem wunderbaren Freund versinke. Zwei Stunden später kommt Jakob mit einer Kanne Tee und zwei Tassen aus der Küche ins Wohnzimmer und stellt das Teetablett auf dem Couchtisch ab. Er setzt sich neben mich und schaut mich an. Ich schaue ihm in die Augen und nehme seine Hand. "Lies es mir noch einmal vor." sage ich und drücke ihm das Ledergebundene braune DINA 4 Buch in die andere Hand. Er nimmt es, schaut mich fragend an und flüstert schließlich ein: "ok." Auf dem Buch liegt ein Brief, den Jakob in die Hand nimmt und mich anschaut. "Auch den." sage ich. Jakob atmet tief ein, ich lege meinen Kopf auf seinen Schoß und er beginnt mit seiner tiefen und wohlklingenden Stimme zu lesen.
19.8.13 16:13
 


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